Die Lösungsorientierung ist eine grundlegende Philosophie in der Therapie und im Coaching, die im wesentlichen von Steve deShazer und seiner Frau Insoo Kim-Berg bekannt gemacht wurde.
Sehr vereinfacht ist die Grundannahme, dass es irrelevant ist, wie ein Problem entstanden ist und für eine Lösung es unnötig ist, sich mit dem Problem zu beschäftigen, sondern ausschließlich mit dem Ziel, dem erwünschten Erleben und Verhalten und den Aspekten der Vergangenheit, in denen das erwünschte Erleben und Verhalten schon einmal da war.
Dann geht es im wesentlichen um den Transfer von Gewünschen aus dem Alten in das Neue, frei nach dem Motto, mach mehr von dem was funktionert, lass das, was nicht funktioniert und richte Deine Aufmerksamkeit auf das, was sein soll.
Als westlich geprägter Informatiker liegt mir natürlich ein analytischer Ansatz, bei dem man Problemursachen findet und diese behebt. Bei trivialen Systemen, also technischen Systemen ist das auch mit Sicherheit der erfolgversprechendere Weg. Aber wie steht es nun mit nicht-trivialen, also lebendigen Systemen.
Ich halte es für wichtig, grundsätzlich einen Lösungsbezug zu halten. Die Zielrichtung muss klar sein und die Kernfrage sollte immer sein, bringt mich das, was ich tue meinem Ziel näher oder entfernt es mich davon?
Dass es manchmal sinnvoll ist, in die Vergangenheit zu schauen, um Muster zu erkennen, sich von liebgewordenen Verhaltensweisen zu verabschieden oder sich eine Begründung zu suchen, warum man so lange an etwas Altem festgehalten hat, halte ich für stimmig.
Sich aber immer wieder an Altem zu orientieren und die Vergangenheit nicht loszulassen ist mit Sicherheit ein wesentlicher Schritt in die Verhinderung einer Lösung.
Ein konkretes Beispiel:
Sie sind ein einem Konflikt mit einem Arbeitskollegen. Und das liegt natürlich nicht an Ihnen. Sie mögen den Kollegen nur nicht, weil er ja immer das und das tut. Fragt man den Kollegen, wird er vermutlich sagen, dass er Sie nur nicht mag, weil Sie immer und immer wieder dieses und jenes tun. Was Sie natürlich nur tun, weil der Kollege das und das tut, was der wiederum nur tut, weil Sie…
Dieser Zirkelbezug wird irgendwann langweilig. Bleibt also die Frage, was ist Ihr Ziel, was wollen Sie eigentlich erreichen. Und zwar womöglich gemeinsam mit Ihrem Kollegen. Welche Absichten und übergeordneten Ziele haben Sie.
Und dann stellt sich die Frage, was könnten Sie tun, um aus dem Muster des Zirkelbezugs auszusteigen und mehr in Richtung des gewünschten zu gehen.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen öfter die Frage, nach dem eigentlichen Ziel und nach dem “Wozu” hinter dem Ziel. Und dann ein lösungsorientiertes Verhalten, bei sich und Ihrem Kollegen…